Der Staat, der zum Teil jahrhundertelang die Geschicke der öffentlichen Versicherer bestimmt hatte, zog sich damals aus dem Versicherungsgeschäft weitgehend zurück. Die Sparkassen übernahmen fast überall die Trägerschaft. Mit den kommunal verwurzelten Sparkassen als neue Eigentümer blieben die Versicherer jedoch unter öffentlich-rechtlichem Einfluss.

Die Zusammenarbeit mit den Sparkassen hat eine lange Tradition: Anzeige der ÖVA Sachsen aus den 1920er Jahren.

Außerdem kam es erstmals zu Konzernbildungen. Die größten Veränderungen gab es zunächst in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern.

Konzentrationsprozesse in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern

In Hessen wuchs unter Einschluss der neu hinzugekommenen Aktivitäten in Thüringen bis 1997 eine neue „SV Sparkassen-Versicherung Öffentliche Versicherungsgesellschaft Hessen-Nassau-Thüringen“ zusammen. In Baden-Württemberg formierte sich bis zum Jahr 2000 unter dem Dach der „SV Sparkassen-Versicherung Baden-Württemberg Holding AG“ ein großer öffentlicher Versicherungskonzern. Und in Bayern wurde zwischen 1995 und 1999 unter dem Konzerndach „Versicherungskammer Bayern“ der größte öffentliche Versicherer Deutschlands geschaffen.

Es entstanden große öffentliche Versicherungskonzerne mit einem bis dahin nie erreichten Geschäftsvolumen.

Ehemaliger Unternehmenssitz der Versicherungskammer Bayern in München

Überregionale Konzerne

In einer nächsten Stufe der Konsolidierung entstanden nach 2000 auch überregionale Konzerne. So taten sich 2004 die Sparkassen-Versicherer in Baden-Württemberg und Hessen zur „SV Sparkassen Versicherung“ zusammen. 2005 verbanden sich die Westfälische Provinzial und die Provinzial Nord zum Provinzial NordWest Konzern. Dieser fusionierte später dann 2020 mit der Provinzial Rheinland und wurde der zweitgrößte öffentliche Versicherer. Die Versicherungskammer Bayern erweiterte ihr Tätigkeitsgebiet durch die Übernahme der Saarland Versicherungen (2002) und der Feuersozietät/Öffentliche Leben Berlin-Brandenburg (2004).

Damit verringerte sich die Zahl der öffentlichen Versicherer von Ende der 1980er Jahre mit damals 29 selbständigen Versicherern deutlich: Heute sind es insgesamt noch acht Versicherungsgruppen mit traditionell starken Marken in den jeweiligen Regionen.

Konzern
Versicherungs-
kammer
Provinzial Konzern
Sparkassen-
Versicherung
Sachsen
SV Sparkassen-
Versicherung
BGV – Badische Versicherungen
VGH Versicherungen
Die Ostfriesische
Öffentliche Braunschweig

Dieser Prozess hatte unmittelbare Folgen für die Deutsche Rück: Die größeren Konzerne wurden so stark, dass sie Risiken zunehmend selber tragen konnten und weniger in Rückdeckung geben mussten. Das führte dazu, dass die Prämieneinnahmen der Deutschen Rück deutlich sanken: Von 1,49 Milliarden DM im Jahr 1994 auf 922,1 Millionen DM im Jahr 2000.

Prämieneinnahmen der Deutschen Rück in Mio. DM