Spezialistin für Elementargefahren
Anfang der 1990er Jahre gab es noch keine genauen Analysen der Elementarrisiken für die Öffentlichen – auch weil die Informationstechnologie zur räumlichen Analyse von Naturgefahren damals noch kaum vorhanden war.
Spätestens seit der verheerenden Wintersturmserie im Jahr 1990 war allen Beteiligten das erhebliche Bedrohungspotenzial für die öffentlichen Versicherer bewusst geworden. Es ging für sie um existenzielle Risiken.
Feuerwehrleute entfernen in Düsseldorf einen umgestürzten Baum, der eine Straße blockiert. Der Orkan WIEBKE, der im Rahmen einer Orkanserie im Spätwinter 1990 über Deutschland hinwegfegte, verursachte zahreiche Schäden im ganzen Land.
Aufbau des NatCat-Centers
Ab Mitte der 1990er Jahre baute die Deutsche Rück ein NatCat-Center mit Naturwissenschaftlern aus den Bereichen Meteorologie (Sturmrisiko), Geologie (Erdbebenrisiko) und Hydrologie (Überschwemmungsrisiko) auf.
Im Gegensatz zu internationalen Rückversicherern konzentrierte sich die Deutsche Rück darauf, Schadenzenarien mit möglichst kleinräumigen Perspektiven zu entwickeln.
Das NatCat-Center setzte ein erstes geographisches Informationssystem ein, um regionale Bestands- und Schadendaten sowie geowissenschaftliche Daten zu analysieren. Die Erstversicherer erhielten so das nötige Datenmaterial für ihre Tarifierung, Produktgestaltung und Schadenverhütung.
Pionierin im Markt
Damals bildete sich als ein Schwerpunkt die Naturgefahrenmodellierung heraus. Dazu nutzte die Deutsche Rück ihr neu aufgebautes geowissenschaftliches Know-hows und den Datenpool ihrer Kunden, die wie keine anderen Versicherer über umfangreiche Schadenerfahrungen in diesem Bereich verfügen.
Die Bodenkarte vom 26. Dezember 1999 um 1 Uhr MEZ zeigt den Orkan LOTHAR kurz nach seiner intensiven Entwicklung über dem Nordatlantik und während seines Vorstoßes in Richtung Mitteleuropa.
Die Deutsche Rück entwickelte als Pionierin im Markt Naturgefahrenmodelle, die auf die regionalen Besonderheiten der öffentlichen Versicherer zugeschnitten waren. Diese Modelle ermöglichen es seither den Erstversicherern, eine ihrer individuellen Situation angemessene Risikopolitik im Bereich der Naturgefahren zu verfolgen.
Mit Szenario-Rechnungen zeigen die Experten des NatCat-Centers etwa auf, wie sich die Schadensituation entwickelt hätte, wenn etwa der verheerende Weihnachtssturm LOTHAR von 1999 über andere Regionen Deutschlands gezogen wäre.
Der Weihnachtsorkan LOTHAR setzte 1999 eine neue Rekordmarke: An nur einem Tag verursachte er so viele versicherte Schäden wie kein anderes einzelnes Schadenereignis in Westeuropa zuvor. In Deutschland und Frankreich lagen die Schäden bei umgerechnet rund 6 Milliarden Euro. Vor allem Baden-Württemberg und Teile Bayerns waren betroffen.