Erfolg in überschaubaren Strukturen
Prof. Dr. Reimer Schmidt
Der erste Vorstandsvorsitzende der Deutschen Rück war Bruno Lackner. Er starb 1955 an den Folgen eines Autounfalls. Danach übernahm für die nächsten neun Jahre ein junger Jurist und Privatdozent von der Hamburger Universität die Leitung: Reimer Schmidt. Er wurde später als Professor für Versicherungsrecht und Generaldirektor der Aachen-Münchener Versicherung zu einem der prägenden Köpfe der deutschen Versicherungswirtschaft.
Mit einer Fülle von Veröffentlichungen war Prof. Dr. Reimer Schmidt einer der bedeutendsten Versicherungswissenschaftler in Deutschland.
Am Schreibtisch zuhause
Schmidt hatte seine Dienstwohnung an der Rückseite des Neubaus. Er wohnte damit quasi direkt an seinem Vorstandsschreibtisch. Die Deutsche Rück führte er parallel zu seiner Tätigkeit an der Universität Hamburg. Heute kaum vorstellbar, aber in den überschaubaren Strukturen der deutschen Versicherungswirtschaft jener Jahre war eine solche Doppelrolle erfolgreich machbar.
16 Mitarbeitende standen 1957 in der Übersicht im Wirtschaftsprüfungsbericht
Benachrichtigung der Deutschen Rück über den neuen Vorstand, August 1955
So oder so ähnlich hat das 1957 beantragte Kinderzimmer wohl ausgesehen.
Ende 1957 beantragte Reimer Schmidt einen Erweiterungsbau für seine Wohnung: „Die bisherige Lage zwinge jeweils ein Mitglied der Familie, laufend auf einem Sofa zu schlafen", vermerkt das Protokoll der Beiratssitzung. Ein Kinderzimmer wurde angebaut.
Erfolgreiche erste Dekade
In den ersten zehn Jahren verdreifachte die Deutsche Rück ihre Beitragseinnahmen auf über 64 Millionen DM. Angesichts dieses rasanten Wachstums war das ursprüngliche Grundkapital der Gesellschaft von 1 Million DM viel zu niedrig. Nach längeren Diskussionen unter den Aktionären erhöhten sie das Kapital dann 1960 auf 3,2 Millionen DM.
Rasantes Beitragswachstum innerhalb von zehn Jahren
Wie viel Eigenkapital?
Die Frage, welche Kapitalausstattung für die Deutsche Rück angemessen sei, beschäftigte das Unternehmen in den folgenden Jahrzehnten regelmäßig. Während der Vorstand stets drängte, das Eigenkapital dem stark wachsenden Geschäft anzupassen, waren die Aktionäre in der Regel sehr reserviert gegenüber einer Kapitalaufstockung. In späteren Krisenzeiten sollte sich dann zeigen, dass die Eigenkapitalausstattung angesichts der erreichten Größe tatsächlich zu niedrig war.