Die Aktionäre der Deutschen Rück waren als größte oder – wenn sie Monopolversicherer waren – sogar einzige Gebäudeversicherer in ihrer Region immer wieder stark von heftigen Stürmen betroffen. Und so stiegen zwar Jahr um Jahr die Prämieneinnahmen kräftig, aber eben auch die Schäden. 

Hamburger Sturmflut 1962

Wie hoch das Elementarschaden-Risiko bei der Deutschen Rück war zeigte die große Hamburger Sturmflut von 1962. Teile der Hansestadt standen damals unter Wasser. Über 300 Menschen starben. 

Die Karte zeigt deutlich das Ausmaß des Überflutungsgebiets der Hamburger Sturmflut von 1962.

Die Bilder der Flutkatastrophe haben sich tief in die deutsche Nachkriegsgeschichte eingegraben. Über die Sturmversicherung ihrer Aktionäre in den betroffenen Bundesländern (Brandkasse Kiel, Feuerkasse Hamburg, Brandkasse Hannover) war auch die Deutsche Rück erheblich betroffen. Sie zahlte brutto 6,2 Millionen DM und schloss mit einer Schadenquote von 75 Prozent ab. 

Hamburger Sturmflut 1962

Feuergeschäft unter Druck

Bereits damals warnte der Vorstand vor der Gefahr, die der Gesellschaft als reinem Einspartenversicherer drohte. Ein schlechtes Feuerjahr und gleichzeitig hohe Elementarschäden in Sturm und Hagel konnten das Unternehmen erheblich belasten. Ab Ende der 1960er Jahre geriet das Feuergeschäft tatsächlich marktweit unter Druck. Denn mit der deutlich anziehenden Inflation in Deutschland stiegen auch die Schäden stark.

Die Ölkrise Anfang der 70er Jahre markiert deutlich das Ende des Wirtschaftswunders und den Beginn der Wirtschaftskrise. Das bekamen die Verbraucherinnen und Verbraucher hautnah an der Tankstelle zu spüren. Zahlten sie für den Liter Diesel 1970 noch 57,1 Pfennige, mussten sie 1980 mit 117,0 Pfennige pro Liter mehr als das Doppelte berappen. (Kraftstoff-Durchschnittspreise Pfennige/Liter, Quelle: ADAC e. V.)

Die anhaltende Ölkrise 1973 führte zu einer Verknappung und Verteuerung von Benzin und Diesel.

1970 erreichten die Feuerschäden im Markt einen historischen Höchststand: Die Deutsche Rück musste im „Katastrophenjahr der Feuerversicherung“, eine Bruttoschadenquote von 116 Prozent verkraften. Zum Bilanzausgleich musste man die Rücklagen der Gesellschaft heranziehen.

Steigende Schadenquoten  

Parallel dazu sorgten große Sturmereignisse in den 70er Jahren für noch nie gesehene Schadenhöhen: Der „Niedersachsensturm“ 1972 ließ die Schadenquote in der Sturmrückversicherung auf 187 Prozent steigen. Das bis dahin größte Schadenereignis Sturm „Capella“ 1976 bescherte der Gesellschaft einen technischen Verlust von 57 Millionen DM.

Der Orkan QUIMBURGA hinterließ 1972 vor allem in Niedersachsen erhebliche Schäden. Auch dieses rustikale Haus in Annen wurde schwer beschädigt.

Der Umgang mit Elementarrisiken gehörte von Anfang an zu den Kernaufgaben der Deutschen Rück. Über viele Jahrzehnte baute sie daher ein besonderes Know-how in diesem Geschäft auf.

Sturm CAPELLA: Fast ohne Ebbe türmten sich die Wellen am Nachmittag des 3. Januars 1976 meterhoch auf. Vor allem in der niedersächsischen Gemeinde Drochtersen wurden weite Flächen überflutet.